Es ist Herbst in New York. Die Blätter fallen von den Bäumen es regnet und ist empfindlich kalt. Das Haus der Familie Miller ist nur schlecht isoliert gegen solche Witterungsbedingungen. Das Dach müsste dringend renoviert werden. Der Vater Arthur Miller ist seit 11 Jahren arbeitslos. Damals starb seine Frau bei der Geburt der Zwillinge. Die Zeit war nicht leicht gewesen. Er hatte zwar eine neue Frau gefunden doch die hasste die Kinder.
Vor etwa 8 Jahren hatte Arthur mit den Drogen und dem Alkohol angefangen. Nun war an eine Rettung nicht mehr zu denken. Er liebte seine Kinder doch hatte er die Kontrolle längst an seine neue Frau abgeben müssen.
Die Mutter ging nicht gerade zimperlich mit den beiden um. Lester und Mary waren ihre Namen. Seit sie ihren zwölften Geburtstag feierten schickte ihre Mutter die beiden auf den Strich. Das brachte jedoch nicht soviel Geld da die beiden geistig ein wenig zurück geblieben waren. Das schreckte einfach viele potentielle Kunden ab. Oft hatten die beiden schon daran gedacht weg zu laufen. Seit Jahren konnten sie nicht mehr das Leben führen was einem Kind in diesem Alter zusteht. Doch sie liebten ihren Vater und wollten ihn nicht verlassen. Ihre Stiefmutter Dora Miller empfand für die Kinder nichts als Abscheu.
So kam die Mutter eines abends im Bett auf die Idee die Kinder wegzugeben. Der Vater liebte seine Kinder und so war er dagegen doch längst hatte er die Kontrolle über sich und auch seine Frau verloren. Dora ließ nicht locker. „Sie bringen uns gutes Geld ein, dann kommen wir hier raus. Die zwei Kosten doch nur, aus denen wird nie etwas werden.“ sagte Sie. Arthur meinte man könne doch nicht einfach seine Kinder an irgendwelche perversen verkaufen. „Ach Quatsch, Claude ist ein feiner Mensch. Er schenkt diesen Kindern ein neues Leben.“ erwiderte Dora nicht ohne zu wissen wie falsch das war was sie sagte. „Wenn du meinst das es wirklich nur zum besten der Kinder ist...aber sag werden die nicht ausbüchsen und wieder zurückkommen?“ sagte Arthur. „Die sind doch so bescheuert, wir müssen Sie jeden Abend von der Arbeit abholen sonst würden die niemals heim finden.“ zischte Dora. Arthur begann zu weinen. „Ich liebe Sie aber so...“ schluchzte er. Dora nahm ihn in die Arme und streichelte seinen Kopf. „lass mich nur machen“ flüsterte sie. Arthur vertraute ihr und sah nicht mit welch versteinerter Miene sie in den düsteren Himmel über New York schaute.
Was die Eltern nicht wussten war das die beiden Kinder das Gespräch vor der Tür mit angehört hatten. Sie waren traurig. Mary begann zu weinen „Papa liebt uns nicht mehr..“ sagte Sie. „Ich hol uns da schon raus“ sagte Lester und nahm seine Schwester in den Arm.
Früh am morgen schaute Arthur aus dem Fenster, er fühlte sich dreckig. Heute regnete es mal nicht. Er ging ins Bad um zu duschen. Danach ging er nach unten und traf dort auf Dora und die Kinder. Die beiden heulten schon wieder wie jeden morgen. Zu Anfangs hatte er es noch komisch gefunden doch mittlerweile hielt er es für normal. „Kinder, euer Vater geht sich heute eine neue Wohnung anschauen, ihr werdet ihn begleiten.“ sagte Dora barsch. Lester starrte zuerst sie dann seine Schwester an und nickte ihr unmerklich zu.
Die drei gingen los. Lester hatte sich ein Stück Kreide mit genommen und malte heimlich Striche an jede Hausecke an der sie vorbeikamen. Schließlich waren Sie am Ziel. Ein nobles Apartmenthaus. Arthur schellte und sogleich konnten Sie hinein gehen. Arthur redete kurz mit einem Mann zeigte auf die beiden und ging dann wortlos an den beiden vorbei nach draußen.
Der Mann kam zu ihnen. „Ich bin Claude Chevaliér. Schaut mal das ist euer neues Zimmer.“ begrüßte er die beiden. Er führte sie in ein kleines Zimmer mit nur einem Fenster. Er ging und schloss die Tür hinter sich ab.
„Hier kommen wir nie wieder raus“ sagte Mary. Nach ein paar Stunden des wartens entschloss sich Lester etwas zu unternehmen. Er knackte das Fenster und sprang hinaus. Er rief seiner Schwester zu das sie doch nun auch springen sollte. „Spinnst du? Das ist viel zu hoch!“ Tatsächlich waren es etwa drei Meter die es zu überwinden galt. „Hab keine Angst, ich fang dich auf“ rief Lester. Schließlich traute sich Mary und landete sicher in den Armen ihres Bruders.
Mittlerweile war es bereits dunkel geworden doch die Kreidestriche waren noch gut sichtbar. Nach etwa einer Stunde waren Sie wieder zuhause. Sie schellten und Dora öffnete. „Mein Gott wo wart ihr denn solange? Ihr solltet euch doch nur die neue Wohnung anschauen und dann gleich wieder her kommen“ sagte Sie. „Jetzt ist es zum arbeiten auch zu spät.“
Sie schickte die Kinder ohne essen ins Bett. Abends im Bett sagte Arthur „Siehst du die beiden sind doch nicht so dumm wie du immer sagst.“ „Ach papperlapp, ich gehe morgen noch mal mit den beiden zu Claude und werde ihm sagen das er gefälligst besser aufpassen soll.
Früh am nächsten morgen schaute Arthur aus dem Fenster, er fühlte sich dreckig. „Ah endlich wieder mal regen“ zischte Arthur zynisch. Er ging ins Bad um zu duschen. Als er in die Küche kam waren Dora und die Kinder schon weg.
Dora wollte diese Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen. Eilig hastete sie mit den Kindern durch die Straßen. Lester hatte wieder ein Stück Kreide eingesteckt um die Hausecken zu markieren. Bald saßen die zwei wieder alleine in dem Zimmer. Mit dem Unterschied das nun ein Aufpasser vor der Tür saß. Nach ein paar Stunden konnten sie hören das der Mann vor der Tür offenbar eingeschlafen war denn man hörte ihn klar und deutlich schnarchen.
Wie am Tage zuvor sprangen die beiden aus dem Fenster und liefen los. „So jetzt machen wir es wie gestern, immer nur den Kreidestrichen nach.“ Doch leider hatte es geregnet und alle Kreidestriche waren verschwunden. Immer tiefer verliefen Sie sich im Labyrinth des Gettos von New York.
Plötzlich kamen Sie an einem Hinterhof vorbei. Aus dem Hof roch es herrlich nach essen. Die beiden hatten seit zwei Tagen nichts richtiges mehr gegessen. Sie liefen hinein und in die offen stehende Haustür. Drinnen fanden sie alles was sie so sehr vermisst hatten. Nudeln, Reis, Steaks alles war da. Sie fingen an alles in sich hinein zu schlingen. „Verdammt ist da jemand???“ hallte eine Stimme aus dem Obergeschoss. „Nein hier ist niemand!!!“ erwiderten die beiden in ihrer grenzenlosen Naivität. „Was zum Teufel..“ drang es leise von oben herab. Die beiden ließen sich nicht stören, seelenruhig stopften Sie alles in sich hinein.
Erst als Lester den kalten Lauf einer Pistole in seinem Nacken spürte hörte er auf zu essen. „Ihr verdammten Kinder verschlingt mein schönes Essen!“ schrie der Mann. Sie drehten sich beide um. Sie starrten beide in den Lauf der Pistole und vergaßen das schlucken. Der Mann war riesig. Er sein Nacken war gebaut wie der eines Stieres Sein Gesicht war grobschlächtig, finster und vernarbt. Man konnte die Angst der beiden Kinder förmlich spüren.
„Hey, Moment. Ich kenn euch doch, ihr seid die beiden bekloppten vom Kinderstrich an der 58. Straße, was soll das warum klaut Ihr mein essen?“ „Wir hatten so einen Hunger“ schluchzte Mary. Das Gesicht des Mannes verwandelte sich von einer düsteren Maske in eine unheimlich grinsende Fratze. „Dann wollen wir doch mal sehen wie ihr das wieder gut machen könnt“ raunte der Mann.
„Wir wollen lieber gehen“ sagte Lester. Als Antwort schlug ihm der Mann die Pistole an den Kopf.
Als er wieder erwachte fand er sich in einem Kellerloch wieder. Hier gab es keine Fenster nur eine Stahltür und die war fest verschlossen. Er teilte sein Gemach mit Ratten und Kakerlaken. Er lauschte an der Tür.
Oben konnte er seine Schwester schreien und heulen hören. Er hieb mit seinen kleinen Fäusten gegen die schwere Tür doch es half alles nichts. Heulend vor Wut sank er in einer Ecke des Raumes in sich zusammen.
Nach Stunden klopfte es an der Tür. „Zurück an die Wand Kleiner sonst ist deine Schwester tot“ rief der Mann. Lester gehorchte die Tür öffnete sich und der Mann kam hinein. „So deine Schwester hab ich mal ausprobiert, die ist nicht schlecht, jetzt bist du dran, kannst mal zeigen was du so alles draufhast“ raunte der Mann und kam näher. Lester wusste was passieren würde. Hundertmal hatte er das alles schon durchgemacht. Doch jetzt hatte er die Nase voll. „Niemals, eher verrecke ich hier unten.“ schrie er mit dem Mut der Verzweiflung. „Ok Kleiner, na ja abwarten, ich krieg dich schon noch dahin wo ich dich hin haben will.“ Sagte der Mann und verschwand.
Lester verbrachte Tage in dem dunklen Verließ, ab und an hörte er wieder die fürchterlichen Schreie seiner Schwester und Männerstimmen, viele Männerstimmen.
Die Hilflosigkeit zerfraß ihn aber er konnte nichts für Mary tun. Jeden Tag kam der Mann und gab ihm etwas essen. Mit der Zeit wurde er immer gleichgültiger. Er merkte zwar das in dem Essen irgendwelche Drogen steckten doch der Hunger zwang ihn es zu essen.
Ihm war es egal ob er lebte. Er hätte alles getan um hier rauszukommen und seiner Schwester helfen zu können. Die Tage vergingen.
Mary war völlig am Ende mit ihren Kräften. Manchmal flehte Sie den Mann an sie doch umzubringen. Doch darauf erwiderte der Mann immer nur das er sehr gutes Geld mit ihr verdienen würde.
„Ich hab mich entschieden, morgen verkauf ich deinen Bruder, das bringt mir auch einen schönen Batzen Kohle ein, seit Wochen füttere ich den kleinen durch, wird Zeit das er weg kommt.“ sagte der Mann ohne auch nur eine Spur von Gefühl zu zeigen.
„So kleine komm mit, heute Abend hast du einen Sonderauftrag. Eine Party nur zu deinen Ehren“ grinste der Mann sie an. Sie begann zu weinen. „Stell dich nicht so an“ schrie er. Wieder und wieder schlug er auf das Mädchen ein. Heulend verkroch sie sich in eine Ecke. Sie wollte nicht gehen. Sie wusste das sie das niemals durchstehen würde. Sie fasste einen Entschluss. Sie würde es tun. Entweder er oder sie. Der Mann setzte sich aufs Bett und band seine Schuhe zu. Blitzschnell sprang Mary auf und griff nach der Waffe die in der Hose des Mannes steckte. Sie nahm die Waffe und richtete sie auf den Mann. Sie sagte keinen Ton.
Der Mann lachte schallend auf. „Hey kleines du willst mich doch wohl nicht ersch...“ 6 Schüsse dröhnten durch das Haus. Der Mann fiel tödlich getroffen zu Boden. Erschrocken über ihre eigene Kaltblütigkeit aber überglücklich ließ sie die Pistole fallen und rannte in den Keller.
Sie öffnete die Tür. Lester lag auf dem Boden mehr tot als lebendig. „Lester, der Mann ist tot. Ich habe ihn erschossen.“ Sie half ihm auf und nahm in die Arme. Beide weinten vor Erleichterung. Sie verließen das Haus so schnell Sie konnten, jedoch nicht ohne das Geld was der Mann für Marys Torturen bekommen hatte mit zunehmen.
Sie liefen so schnell sie konnten. Als Sie nicht mehr weiter wussten fragten Sie einen Taxifahrer. Lester wusste nur das seine Straße mit einer 6 begann. Aus Gutmütigkeit oder weil er ahnte was die Kinder durchlebt hatten erklärte sich der Taxifahrer bereit die beiden umsonst nach hause zu bringen.
Daheim angekommen stürmten die Kinder ins Haus. Sie fanden ihren Vater im Schlafzimmer. Die Fenster waren verhüllt und nur durch einen kleinen Spalt gelang das Tageslicht in den Raum. Sie sahen ihn, er saß auf dem Bett und starrte ein Rasiermesser an.
„Papa wir sind wieder da!!!“ riefen Sie. Arthur schaute die beiden mit leeren Augen an. Seine Augen wurden groß und größer. Sein starrer Blick wich unendlicher Freude. Er weinte. Er nahm sie beide in die Arme. „Kinder, ihr lebt noch. Alles wird gut. Ich lasse euch jetzt nie wieder gehen.“ schluchzte er. „Wo ist Mama?“ fragte Mary. „Sie ist nicht unsere Mutter“ sagte Lester energisch.
„Sie wurde umgebracht, zwei Tage nachdem ihr fort ward wurde Sie auf offener Straße einfach erschossen...Ich wusste nicht wie es weiter gehen sollte. Ich wollte...ich dachte...ich war so verzweifelt...Wärt ihr nicht gekommen...Dann...“ schluchzte der Vater wieder los. Wieder lagen die drei sich minutenlang in den Armen.
6 Monate später hatte der Vater seine Entziehungskur hinter sich und fand wieder einen Job. Die Kinder konnten wieder eine Schule besuchen und nach einem Jahr waren sie aus dem Ghetto in einen kleinen Vorort gezogen. Endlich war alles gut, endlich...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen