Heinrich Mann beschreibt Prof. Raat als „scheu und rachsüchtig“ ich versuche das subtiler darzustellen.
Er saß in seinem Arbeitszimmer un korrigierte Hausarbeiten seiner Schüler. Das Thema war: „Die Bedeutung des Wortes aber in Goethes Faust.“ Es handelte sich um eine Strafarbeit für die ganze Klasse. Auslöser waren wiederholte verbale Angriffe auf seine person. Nun sicher sein Name Professor Raat lud geradezu zu einer Verunglimpfung ein und so hatte sich hinter seinem Rücken der Name Prof. Unrat etabliert. Da er nicht feststellen konnte wer ihn da hinter seinem Rücken verunglimpft hatte, bestrafte er er die ganze Klasse. Er konnte sich vorstellen das es dieser unsägliche Lohmann gewesen war. Dieser hatte eine besondere Stellung innerhalb der Klassengemeinschaft. Er war der Klassenälteste und eine Art Rebel. Wann immer sich ihm die Möglichkeit bot versuchte er seine, Professor Raats Autorität zu untergraben. Raat hatte es sich zur Aufgabe gemacht Lohmann das Handwerk zu legen. Er blickte von den Aufsatzheften auf während sich die Wut in seinem gesicht manifestierte. Es war eine Art Klassenkampf, Obrigkeit gegen Untergebene und er, Professor Raat würde sich nicht von einem Schüler auf der Nase herumtanzen lassen. Er erhob sich und beschloß einen Spaziergang zu machen. Sobald er das Haus in die Dunkelheit der lauen Sommernacht verließ fühlte er sich wie neugeboren. Der Schutz der Dunkelheit, die frische Luft und die noch immer warme Temperatur ließen seine Laune wie frische Triebe in die Höhe schiessen. Dies war eine besonders schöne Nacht. Er liebte die Dunkelheit und diese zu durchwandern. Fast jeden abend umgab er sich mit der Schwärze der Nacht die sich wie ein Mantel um ihn schmiegte. Schon war all die Wut und all die negativen Gefühle verflogen und schneller als er sie denken konnte. Fast am Ende seines Spazierganges erregte ein hell erlleuchtetes Fenster eines kleinen Hauses seine Aufmerksamkeit. Er begab sich unter das Fenster und versuchte einen Blick auf das zu erhaschen was dort drinnen vor sich ging.Er sah in den Raum der kärglich eingerichtet war. Ein Bett, ein Schrank, ein Stuhl und ein Spiegel, in dessen Bild er die junge Frau sehen konnte die davor auf dem Stuhl saß. Sie bürstete ihr Haar mit geschlossenen Augen. Langes schwarzes Haar das dort wo es auf das Licht der Kerzen traf zu scheinen begann. Er merkte wie sich seine Finger immer fester am Fensterbrett festkrallten. Sein Blick wurde starr. Die Haare der Frau schienen sich wärmend um ihm zu legen. Sie drehte sich herum und lächelte ihn an. Sie legte ihre Hände auf seine Schultern und zog ihn an sich heran. Ihre Lippen trafen die seinen und entzündeten ein Feuer das ihn zu verbrennen schien. Er riß sich los von ihr. „Oh Prinzessin küss mich und ich beteure das aus dem Frosch ein Prinz werden wird.“ flüsterte er. Sie entfernte sich einen Schritt von ihm. Ein plötzliches krachen hinter ihm ließ ihn hochschrecken. Er fuhr herum und sah angestrengt ind die Dunkelheit. Nichts war zu sehen. Er richtete seinen Blick zurück in das Zimmer. Die junge Frau saß noch immer unbewegt vor dem Spiegel und bürstete ihr Haar. Noch immer fasziniert riß er sich los und rannte verstört nachhause. Dort angekommen ging er ohne sich zu entkleiden ins Bett und zog die Decke über seinen Kopf. Am nächsten Morgen erwachte er als ein anderer Mensch. Die Klausur die heute zu schreiben war würde er ausfallen lassen. Die Schüler hatten es sich verdient. Trunken der ungewohnten Gefühle sprang er aus dem Bett un begann sich für die Schule fertig zu machen. Er tanzte ins Badezimmer und konnte sich ertappen ein Lied zu singen während er sich wusch. Frisch gekleidet verließ er das Haus und sprang mit ihm ungewohnten Elan zur Schule. Er fühlte sich jung und stark. Wie ein Baum dessen Triebe im Frühling sprießen. Er betrat den Klassenraum und jeder konnte sehen das da ein neuer Professor zur Türe hreinkam. Nach der Begrüßung ging er zur Tafel. Er schrieb: „Klausurthema: ...“ gerade in dem Moment als er „keines“ schreiben wollte geschah es. Den Blick zur Tafel gewand, sich selber eingestehend das es kein Traum war fuhr das Lächeln aus seinem Gesicht und wich einer versteinerten Miene. Im nächsten Augenblick brandete ein altes wohlbekanntes Gefühl in ihm auf. Wut. Da war es wieder laut und deutlich: „Quak...Quak“ Er erkannte Lohmanns Stimme. „Quak...Quak“ immer wieder. Schon schoß dem Professor die Zornesröte ins Gesicht. Während er im Begriff sich herumzudrehen und los zu brüllen hielt er inne. Eine teuflisch grinsende Fratze verdrängte die Zornesröte aus seinem Gesicht. Er ergriff die Kreide und vollendete seinen berets begonnenen Satz: „Klausurthema: Reflektieren sie in einem 4-seitigen Aufsatz verschiedene Kausalitäten zwischen dem faustischen Gedanken und der Anzahl der benutzten Satzzeichen.“ Zelebrierend legte er die Kreide ab und drehte sich herum. Er schlug die Augen auf und weidete sich an den fassungsloen Gesichtern seiner Schüler. Er setzte sich und genoß den Blick auf seine Untergebenen.
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